Leben in einer geteilten Welt, damals und heute

Wir durften nicht durch Ostberlin fahren, weil das kommunistisches Deutschland war.

Das wurde immer überwacht. Damals waren auch – das habe ich  mitgekriegt – die koreanischen Geheimdienste in Berlin aktiv. Auch 68 gab es vieles, das ist aber eine lange Geschichte.

Ja, da sind ja viele politische Geschichten, 1966 und 1968, damals war eine schlimme Zeit. Ich habe viel erlebt im Schwesternheim. Wir waren nach dem Goethe-Institut im Schwesternheim nach Hause angekommen. Da haben wir festgestellt, dass wahrscheinlich ein Kommunist wohl in jedem Zimmer ein Flugblatt auf Koreanisch hinterlassen hatte. Wir haben so eine Angst gehabt. Eine ältere Dame wohnte da. Sie war die erste Vorsitzende – glaube ich –, eine Koreanerin, sie wohnte in der vierten Etage. Wir hatten so eine Angst gehabt. Sie hat gesagt: „Kommt, sammelt alles“. Dann hat sie alles zu dem koreanischen Konsulat gebracht, wir hatten hier früher keine Botschaft, nur das Konsulat. Solche Sachen haben wir im Schwesternheim erlebt.
Woher weißt du dann, dass diese kommunistische Flugblätter waren?

Alle haben das gesagt. Ich hatte auch bei mir ein Buch, ein nordkoreanisches Buch, unter der Fußmatte gefunden, vielleicht aus Ostdeutschland, vielleicht aus Nordkorea. Das habe ich dann weggeschmissen.

Leben im geteiltem Korea heuteDeutschland ist nicht mehr geteilt, aber Korea ist nach wie vor geteilt. Die Lage mit Nordkorea ist vielleicht schwieriger denn je. Sie haben mehr Atombomben als früher. Gibt es die Angst, dass da ein Krieg oder eine schwere Situation kommt?. Spielt das eine Rolle, wenn Sie zum Beispiel mit Ihrer Familie über die Möglichkeit diskutieren, eventuell zurückzugehen?
– Gar nicht! Für Politiker ist das ein Thema, es ist egal, von welcher Partei. Aber die Menschen aus dem Volk haben keine Angst. Also an Krieg oder so etwas denkt man gar nicht oder nicht unbedingt. Das spielt gar keine Rolle. Wenn man drin in Korea ist, dann merken wir überhaupt nicht solche Sachen.

Aus der kollektiven Erzählung der koreanischen Krankenschwestern: siehe https://migrationsgeschichten-die-verbinden.de/das-projekt-die-weisse-engel-aus-korea/

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