Transkript
GAZINO UND TÜRKISCHER BASAR: EIN STÜCK HEIMAT?
Gazino und Türkischer Basar waren so wie ein Stück Türkei.
Es war unser zweites Zuhause.
Wenn es so ein gewisses Heimatgefühl gibt… ich meine, wir sind auch hier beheimatet.
Heimat ist auch so ein Gefühl, das ist ja kein Ort.
Wir hatten so oder so Sehnsucht nach unserer Heimat gehabt und das war es so im Gazino und im türkischen Basar, dass wenigstens so ein bisschen die Sehnsucht bedrückt, gelindert hat. Wenn man da war, hat man das genossen, da zu sein, mit den Gerüchten und mit der Musik und mit allem zusammen, so haben wir irgendwie so ein bisschen wenigstens dieses Verlangen unterdrückt.
WAS WAR GAZINO UND TÜRKISCHEN BASAR?
Seit wann gibt es noch mal den türkischen Basar? Seit 1978.
Wegen der Mauer wurde das stillgelegt und dadurch konnte man dann halt eine Fremdnutzung machen und die wurde dann halt so genutzt, wie man in einer Passage macht.
Es gab auch ein Restaurant, glaube ich, wo man sich hinsetzen und sich unterhalten konnte. Man konnte Tee trinken und plaudern. Wie gesagt, es war ein bisschen ein Stück Heimat.
Es gab eine Bühne für Musik, wo es Konzerte und Veranstaltungen gab.
Das war sehr spannend für mich, immer Hochzeit mitzufeiern oder zu sehen,
weil wir dann die Getränke immer umsonst bekommen haben.
Damals gab es nämlich nicht überall solche Läden, gab es nicht überall Musikkassetten zu kaufen, es war eine Seltenheit. Deswegen sind Leute aus Wedding, Tiergarten, alle sind hierhergekommen. Ich kann mich ganz ganz dunkel an Züge erinnern, sage ich mal, die da waren, wo drin die Geschäfte waren.
Du konntest alles da finden, Musikgeräte, Musik oder andere Sachen.
Wir haben dort Filme ausgeliehen, wir haben dort Schmuck gekauft, wir haben Döner gegessen. Das war ein Muss für alle Touristen, die nach Berlin gekommen sind.
Neşet Ertaş war auch da, wir haben es gesehen.
Meine Zwillinge haben die Beschneidungskostüme von da gekauft.
Also sowas konnte man auch dort kaufen.
Dort konnte man es kaufen.
Das ging bis zum 1989.
Eigentlich bis 1993.
1993 sogar. Wurde erst 1993 geschlossen?
Genau.
Aus der Frauenperspektive war das nicht immer einfach. Es hat sich ja insgesamt in der Gesellschaft viel getan. Da war schon ein patriarchalischer Ton.
Weil es ein bisschen etwas Verbotenes auch da war. Es war auch Spaß am Feiern.
Soll das Basar wieder zurückkommen? Wie finden Sie die Idee,
dass einmal im Jahr der Bezirk ein Casino-Fest veranstaltet?
Das ist das, was ich heute verbinde mit dem türkischen Basar.
Das ist die Sichtbarkeit von migrantischem Leben.
Das, was uns fehlt, ist die Infrastruktur, um diese Vielfalt zu zeigen. Also dass Leute kommen und ihre Musik vortragen, dass wir uns öfter treffen und dass wir auch im öffentlichen Raum sichtbar sind.
Ich weiß gar nicht, ob es notwendig ist, weil es gibt so viele Läden inzwischen,
aber es ist ein Kult, also es war etwas Besonderes.
Dann wollen sie auch wieder so was haben. Genau. Ja.
Wie finden Sie die Idee, dass jedes Jahr einmal im Jahr ein Casino-Fest drin ist?
Ich finde es gut. Man muss sehen, ob das angenommen wird, was die Leute interessiert. Das würde mich schon mal so interessieren. auch alte Bilder oder so, wo man dann sagt, ach kiek mal, ja, so sah das aus, das fände ich schön, ne, einfach auch noch so ein bisschen, kannst dich noch dran erinnern, ich habe nämlich auch keine alten Fotos mehr.
Das geht es mal so ein bisschen um die Lebensleistung der älteren Generation, ja, die ja nun wirklich irgendwann nach dem Mauerfall unsichtbar wurde. Dass man diese Lebensleistung einfach zeigt, also das fände ich gut.
Dass es wichtig ist für die Generation, die hinter uns kommt, die damit gar nichts in der Hand hat. Weißt du, dass man so nach 50 Jahren sagen kann: „Ah, unser Vergangenes“ Wenn man mal Interesse daran hat, dass man erfahren kann, wie die Eltern damals gelebt haben?
Ich stelle mir das jetzt so sinnbildlich vor: ein Bahngleis, das kulturell Länder sogar verbindet,
wie in Deutschland, mit den Türken zusammen, ein Bahngleis.